Ein ganz normaler Tag in der Bäckerei?

von Tanja Dreyer

Learn German durch Storytelling

Niveau B1

Diese Geschichte ist sehr gut geeignet, um neue, unbekannte Wörter, Ausdrücke und Redensarten zu lernen.

Kurzgeschichte: Ein ganz normaler Tag in der Bäckerei?

Klara hat gerade ihre Einkäufe erledigt und alles im Kofferraum des Autos verstaut. Sie hat beim Gemüsehändler frisches Gemüse und beim Schlachter Fleisch gekauft. Auch brauchte sie einige Produkte aus dem Supermarkt. Nun ist sie vom Schleppen der vielen Sachen geschafft und etwas müde. Sie überlegt sich, beim Bäcker eine Tasse Kaffee zu trinken. Sie bräuchte unbedingt eine Stärkung und außerdem auch frisches Vollkornbrot.

Sie freut sich immer wieder, dass es in der Bäckerei nicht nur Brot, Brötchen und andere Backwaren gibt, sondern auch die Möglichkeit dort Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

Aber heute sind alle Tische besetzt. Sie entdeckt noch einen freien Platz ganz hinten in der Ecke.
Am Tisch sitzt allerdings schon jemand, aber das ist nicht weiter schlimm. Sie nähert sich dem Tisch und spricht den jungen Mann, der dort sitzt, höflich an.

„Entschuldigen Sie, ist dieser Platz noch frei?“

„Ja klar, der ist noch frei.“

„Darf ich mich hierher setzen?“

„Natürlich dürfen Sie das.“

„Dankeschön. Heute ist es ziemlich voll hier, oder? Als würde es heute etwas Besonderes geben“, sagte Klara.

Mit einem Schmunzeln antwortet der junge Mann: „Sie haben vollkommen Recht. Es gibt tatsächlich etwas Besonderes heute. Haben Sie denn gar nicht gesehen, was heute angeboten wird?“

„Nein, das habe ich nicht. Ich bin irgendwie ein bisschen müde und dadurch etwas unaufmerksam. Was gibt es denn Schönes?“

„ Das werden Sie nicht glauben, was die sich haben einfallen lassen, unglaublich, aber das ist wirklich eine gute Idee, um Kundschaft zu bekommen. Sie sehen ja, was das für Auswirkungen hat. Wissen Sie, ich bin in der Werbebranche tätig und so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Klara hat immer noch nicht verstanden, worum es geht. Der junge Mann ist so begeistert von einer Sache, die irgendwie mit Werbung zu tun haben muss, aber worum es sich nun genau handelt, hat er nicht gesagt. Aber ihr ist aufgefallen, dass heute viele Leute hier sind, und das nicht nur zum Kaffeetrinken. Und sie scheinen alle auf eine seltsame Art und Weise aufgeregt zu sein und auf etwas zu warten.
Sie schaut den jungen Mann an und fragt erneut, was es nun auf sich hätte mit dieser Besonderheit.

„Was ist denn so unglaublich an diesem normalen Freitag Mittag? Verraten Sie mir das Geheimnis? Ich bin ganz gespannt und neugierig.“

„Eigentlich ist es gar kein so ungewöhnliches Ereignis, verstehen Sie? Aber der Ort, an dem es stattfindet, hier in der Bäckerei, ist außergewöhnlich. Ich meine, wie kann man das nur wagen? Wenn man ein Backrezept präsentieren würde, das könnte ich ja noch verstehen, aber so eine Sache!“

„ Sie spannen mich in der Tat auf die Folter. Würden Sie so freundlich sein, mir nun endlich zu sagen, was los ist? Ich möchte ja nicht unhöflich sein, aber bitte kommen Sie auf den Punkt.“

Klara war schon etwas ungehalten, weil der Mann nur um den heißen Brei herumredet und ihr nicht sagt, was heute hier in der Bäckerei veranstaltet wird. Sie dreht sich um und beobachtet die Leute. Sie könnte ja auch aufstehen und eine der Bäckereifachverkäuferinnen fragen. Die wissen das ja mit Sicherheit. Aber Klara möchte ihren Platz nicht verlassen, der könnte ja sonst gleich wieder besetzt sein bei dem Ansturm von Leuten.

Es hat sich mittlerweile schon draußen vor dem Eingang eine Menschentraube gebildet. In was ist sie da nur rein geraten? Ein kalter Schauer läuft ihr über den Rücken, als ihr dieser Gedanke durch den Kopf schießt. Aber die Leute scheinen so heiter und gut gelaunt, dass sie diesen etwas dunklen Gedanken beiseite schiebt. Noch einmal schaut sie den jungen Mann an, hat aber keine Lust das Gespräch fortzusetzen. Er wirkt auf sie etwas seltsam, sagt er doch nicht, was hier vor sich geht.

Plötzlich hört sie laute, krachende und quietschende Geräusche, als würde jemand Tische hin und her bewegen. Und in der Tat war es so. Als sie sich umdreht und in die Mitte des Raumes schaut, sieht sie einen Mann mit weißer Schürze, es wird wohl der Bäcker sein, wie er mitten im Raum einen Tisch platziert. Er bedeckt ihn mit einer weißen Tischdecke. Dann verschwindet er. Kurz darauf sieht man ihn, einen Rollwagen schieben. Auf diesem steht eine riesige, mehrstöckige Hochzeitstorte. Sie ist wunderschön mit kleinen rosa Blumen und einem kleinen Brautpaar aus Marzipan obenauf verziert.

Viel zu schade, um sie zu essen, denkt sich Klara. Aber gerade in diesem Moment erscheint ein Fotograf und macht Bilder von der Torte, wie sie bereits auf dem mit Rosenblättern geschmückten Tisch steht. Klara erinnert sich der Worte des jungen Mannes, der gesagt hat, dass es heute etwas Besonderes gäbe.

Plötzlich hört man draußen lautes Gejubel. Die Leute klatschen Beifall. Und da kommen sie, das Brautpaar, die frisch Verheirateten, hinein in die Bäckerei. Alle Leute klatschen. Der Bäcker nimmt die Braut in die Arme und gibt ihr mehrere Küsse auf die Wange. Auch klopft er dem Bräutigam auf die Schulter.

„Oh wie schön“, ruft Klara außer sich und schaut den jungen Mann ins Gesicht. „Wie wunderbar, nicht wahr?“

Der junge Mann lächelt sie an und sagt: „Ja, das ist es und wie schön beide aussehen und so glücklich. Übrigens wollte ich Ihnen nichts verraten. Weil Sie nichts wussten, habe ich gedacht, dass dieser Moment für Sie noch erfreulicher werden könnte, indem ich die Spannung noch erhöhe. Entschuldigen Sie bitte.“

Das erklärt auch das merkwürdige Verhalten des jungen Mannes, denkt sich Klara und sagt:
„Ist schon gut.“

Alle in der Bäckerei schauen jetzt gespannt zu, wie das Brautpaar die Hochzeitstorte gemeinsam anschneiden. Wieder klatschen die Leute in die Hände und der Fotograf, der für die hiesige Zeitung arbeitet, lässt den Blitz der Kamera mehrere Male aufleuchten. Das wird morgen alles in der Zeitung stehen. In der Tat eine gute Werbekampagne für die Bäckerei.

Klara schaut auf die Uhr und stellt fest, dass sie schon mindestens eine Stunde hier ist. Sie muss gehen. Ihre Tochter wird gleich aus der Schule kommen und da muss Klara zu Hause sein. Sie verabschiedet sich von dem jungen Mann und wünscht ihm noch einen schönen Tag.

Am nächsten Tag früh morgens um 6 Uhr steht Klara bereits an der Haustür und wartet auf den Zeitungszusteller. Endlich die Zeitung ausgebreitet auf dem Tisch in der Küche bestaunen Klara, ihre Tochter und ihr Mann die wunderschönen Fotos. Das war ganz und gar kein normaler Tag in der Bäckerei.

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